Gut, ganz so heiß wie vorhergesagt war es dann doch nicht. Zumindest nicht immer. Den Trainingsauftakt am Samstag begleitete Regen, und auch am Sonntag ließen sich Wolken blicken, die ihre Last aber höchstens tröpfchenweise preisgaben. Sonst herrschte bei der Rückkehr des Ibergs in den Kalender eitel Sonnenschein. Was sich auf die Leistungen der Aktiven positiv auswirkte, wie einige superenge Ergebnisse zeigen. Im stimmungsvollen Stadtfahrerlager blieb es an den Abenden lange warm, optimale Bedingungen also für einen ausgedehnten Bummel. Die je vier an beiden Tagen vorgesehenen Läufe konnten realisiert werden. Beginn der Übungsauffahrten war um 08:45, das Rennen startete pünktlich um 09:00, die finalen Resultate liefen um 16:52 Uhr aus dem Drucker. Gewertet wurde im Modus „die besten drei aus vier Rennläufen“, was einmal mehr Einfluss auf manche Ergebnisse nahm. Schon kurz nach der letzten Rückführung baten die Organisatoren des MC Heilbad Heiligenstadt zur Siegerehrung. Wer dabei Preise erhielt und was sich ansonsten auf den 2,050 Kilometern des Holzweges ereignete, das wollen wir in den folgenden Zeilen etwas genauer beleuchten.
Als allererstes sehen wir uns den Auftritt des NSU-Bergpokals an. Zehn luftgekühlte Heckmotorrenner sind nach Heilbad Heiligenstadt gekommen. Sie sortieren sich früh. Einmal mehr ist Jannik Hofmann der Chef im Ring. Er fährt alle Bestzeiten und siegt final mit 8,855 Sekunden Vorsprung vor Jörg Höber. So ganz nebenbei verbessert Jannik gleich im ersten Race Heat noch schnell den NSU-Bergpokal-Streckenrekord seines Papas Steffen aus 2019 um 62 Tausendstelsekunden, schraubt die Marke auf 1:08,722 herunter. Als Dritter ist Dieter Kohl zugleich schnellster der Klassiker. Die Plätze vier und fünf gehen an Andreas Kuhnert, der am Iberg den KWR TT von Teampartner Uwe Schindler pilotiert, und an Walter Voigt. Der Letztgenannte ist obendrein Klassik-Vize, Position drei der Sonderwertung sichert sich Rookie Sascha Dopieralski. Pech und Glück in einem hat Laurin Krystofiak. Kurz vor dem Start des ersten Durchgangs löst sich der Schlauch zwischen Kraftstoffhochdruckpumpe und Einspritzung. Das ist schnell behoben, nachstarten darf Laurin jedoch nicht. Also ist sein erster Run der für das Feld insgesamt zweite. Bei den NSU ist der aufgrund diffuser Fahrbahnverhältnisse aber klar der langsamste. Sieben seiner Kollegen nutzen ihn als Streicher. Das geht bei Laurin allerdings nicht mehr. So wird aus Trainingsrang fünf Rennposition sechs.
Bei den Klassik-1150ern herrscht klare Rollenverteilung, Doppelerfolg für die zwei Schneider Audi 50 im Feld inklusive. Nach zwei 1:11er und einer supertiefen 1:12er Zeit steht Tobias Stegmann als Gewinner fest. Bernd Deutsch folgt mit zweimal 1:14 und einmal 1:13 auf der Uhr. Rolf Rauch beginnt mit seinem Fiat 128 Rally mit 1:20, zaubert dann in der dritten und vierten Auffahrt 1:17er Marken auf den Asphalt. Im schwierigen Heat Nummer zwei verliert er vergleichsweise wenig Zeit, ist in diesem sogar um 0,668 Sekunden flotter unterwegs als Bernd Deutsch. Schlussendlich ist Rolf Rauch Dritter, Jennifer Kaufel-Meier mit ihrem Fiat Abarth 1000 OT Vierte. Da alle 1150er 8-Ventil-Motoren installiert haben, erübrigt sich eine eigene Betrachtung des KW 8V-Trophy Resultats, es entspricht voll und ganz dem Klassenergebnis.
Die 1,4-Liter der KW Berg-Cup-Division Klassik setzen Maßstäbe. Das beginnt mit der reinen Zahl an Teilnehmern. Zwölf sind es im Training, elf nehmen das Rennen auf. Dazu addiert sich absolut spannender Sport, mit regelmäßig total knappen Abständen. Alle hoffen auf eine Fortsetzung des Glasbach-Duells zwischen Armin Ebenhöh mit seinem VW Minichberger Scirocco 16V und Marcel Hellberg (VW Golf 1 16V). Bei Betrachtung der Trainingsergebnisse sieht es danach allerdings nicht wirklich aus. Zwar ist Marcel im ersten Probe-Heat knapp zwei Zehntelsekunden eher im Ziel als Armin, doch dann dreht der Scirocco-Pilot den Zeitenspieß um, holt sich am Ende 2.526 Sekunden vor Marcel die imaginäre Poleposition. In der zweiten Startreihe nehmen Thomas Pröschel (VW Schneider Corrado 16V) und Nils Abb mit seinem 8-Ventiler VW Schneider Polo Aufstellung. An diesem treten Schaltprobleme auf, die nicht, wie zunächst erhofft, von Übertragungsteilen ausgelöst werden. Die Feindiagnose ergibt Getriebedefekt, eine Reparatur im Fahrerlager ist leider nicht möglich. Der Rennauftakt, der auf noch diffuser Fahrbahn stattfindet, entspricht dem Samstagsfinish. Armin Ebenhöh führt 3,271 Sekunden vor Marcel Hellberg, dem Thomas Pröschel, nur 0,493 Sekunden zurück, dicht im Nacken sitzt. Zwei fahren sich bei den schwierigen Bedingungen besonders ins Rampenlicht. Das sind Thomas Grimm (VW Schneider Polo 1 16V) auf Position vier und Jasmin Markert im VW Schneider Polo, die als Klassenfünfte KW 8V-Trophy Beste ist. Ab Lauf zwei ändert sich das Bild langsam. Marcel Hellberg setzt die Benchmark, in der Addition führt Armin Ebenhöh weiter klar. Es ist ein Spiel im Hundertstel-, ja Tausendstelbereich. Lässt man nach dem dritten Run, der wieder knapp an Armin geht, die erste Auffahrt aus der Berechnung fallen, führt Marcel um 49 Tausendstel. Run vier wird zum absoluten Showdown. Marcel gelingt nochmals eine Zeitverbesserung auf 1:03,566. Armin seinerseits setzt jetzt eine 1:03,919. Damit ist Marcel Hellberg der Gewinner, er liegt final 0,290 Sekunden vor Armin Ebenhöh. Das ist absolut faszinierender Bergrennsport auf allerhöchstem Niveau. Thomas Pröschel wird Dritter, Thomas Grimm Vierter. Auf Endposition fünf hat inzwischen Frank Lohmann die KW 8V-Trophy Leader-Rolle übernommen. Auf Rang vier fehlen ihm schlussendlich lediglich 0,107 Sekunden. Das 8-Ventiler-Podium komplettieren Jasmin Markert als Zweite und René Christall mit seinem Simca Rallye 2 als Dritter.
Klassik 1600er und 2-Liter müssen eine Regel-Zweckehe eingehen und gemeinsam rennen. Die Plätze an der Sonne beanspruchen von Anfang an Bernd Ehrle im Opel Minichberger Kadett C und Werner Weiss mit seinem Ford Escort RS 1800 in der genannten Reihung für sich. Die dritte Stufe des Podiums besetzt im ersten Lauf Ronny Hering (VW Scirocco 1600 Gruppe 2), noch vor Michael Rauch im Briegel Kadett und Marvin Ruwe (VW Minichberger Golf 1 GTI 16V). Schritt für Schritt arbeiten sich die beiden Letztgenannten im weiteren Verlauf des Rennens nach vorne. Marvin bis auf Rang drei und Michael Rauch auf die Vier. Dort ist er auch Gewinner der KW 8V-Trophy seiner Klasse. Platz zwei der Sonderwertung mit den roten Startnummern geht an Ronny Hering.
In der Abteilung bis 3000 Kubikzentimeter haben sich drei Teilnehmer eingefunden. Die Zusammensetzung heißt zwei 2,5-Liter Opel Kadett C Coupés 16V gegen einen BMW E30 mit 3-Liter-Motor. Die Pace machen die mit dem Blitz im Markenzeichen. Wobei der Vorarlberger Hans Paulitsch voran düst und Thomas Claus in seinem Windschatten folgt. Rang drei ist die Angelegenheit von BMW-Mann Oliver Bunte.
Über 3 Liter siegt ebenfalls ein BMW, dies allerdings leider im Alleingang. Was Frank Bamberg aber nicht daran hindert, seinen E36 M4 R mit ansprechenden Zeiten den Holzweg hinauf zu pilotieren.
Und damit jetzt Wechsel in die KW Berg-Cup Division Performancefactor. In der 5c ist Nick Mai, einer der beiden amtierenden Deutschen Bergmeister, mit seinem BMW E36 nach Glasbach zum zweiten Mal in dieser Saison wieder mit dabei. Zusammen mit Fabian Brügge (BMW E36 325i) gibt er das Tempo vor. Aufregend wird es gleich nach Rennbeginn. Fabian setzt zwar vor Nick und Ralf Fladung mit seinem Peugeot 206 RC die Bestzeit, benötigt aber den Abschlepper. Was war passiert? Die ins Ziel führende letzte Rechts hat Fabian etwas zu optimistisch angegangen. Womit er in der Geschichte der Ibergrennen ganz sicher kein Einzelfall ist. Jedenfalls nimmt der BMW linksseitig stürmischen Kontakt mit der Leitplanke auf. Das vertragen die Räder nicht, die Felgen gehen zu Bruch. Im Brügge-Team nimmt man das relativ gelassen zur Kenntnis: „Wir hoffen, dass neue Räder und eine Vermessung reichen, um weiter dabei sein zu können.“ Und genau so kommt es auch. Fabians zweiter Lauf ist eine sehr flotte Inspektionsfahrt, er überlässt dabei Nick Mai knapp die Pf 5c-Bestmarke. Danach legt allerdings Fabian noch zwei weitere Klassenbenchmarks auf das Holzweg-Parkett. Nick Mai wird Zweiter, Ralf Fladung Dritter. Die Ränge vier und fünf gehen an Markus Fink (Citroen C2 VTS) und Florian Wissing, der vom Simca Rallye 2 über den Winter auf einen BMW E36 325i gewechselt hat, in dem er längerfristig mehr Potenzial bei günstigeren Einsatzkosten sieht.
Die Klassen 9 und 10, sprich Pf 5b und Pf 5a, werden am Iberg, dem Reglement folgend, zusammengespannt. An der Spitze machen es Stephan Korbach (BMW E36 323ti) und Thomas Flik mit seinem Renault Clio 3 Cup spannend. 66 Tausendstel vor Stephan setzt Thomas die Trainings-Benchmark. Stephan präsentiert sich im ersten Race-Heat bestens ausgeschlafen, legt 1,56 Sekunden zwischen BWM und Renault. Auch der zweite Lauf geht an Stephan. Anschließend dreht Thomas Flik voll auf, zieht alle Register, ist zweimal der Klassenschnellste. Aber es nützt nichts mehr. Zwar kann er Stephans Vorsprung noch bis auf 0,651Sekunden eindampfen, aber der Sieger heißt Stephan Korbach. Rang drei geht an Roman Ahke auf seinem Opel Corsa B GSi.
Die Einleitung des letzten Abschnittes kann auch auf die Klassen 11 und 12, Pf 4b und Pf 4a, angewendet werden. Ähnlich wie in der 1400-Klassik lebt auch hier ein packendes Duell wieder auf. Diesmal weckt es Erinnerungen an Wolsfeld 2026. Die Darsteller sind Andy Heindrichs mit seinem Opel Wiebe Corsa 16-Ventiler und Ralph Paulick (VW Golf 1 Minichberger). Im Training erobert der Golf die Poleposition, liegt 0,101 Sekunden vor dem Corsa. Am Sonntag legt Andy Heindrichs noch einen Zahn zu, ist in allen vier Auffahrten einen Tick schneller oben als Ralph Paulick. Mehr als 1,145 Sekunden Vorsprung aus den drei gewerteten Läufen werden es aber nicht, so eng ist der Fight an der Spitze. Position drei gehört einem Auto aus der Pf 4b. Das ist der Opel Kadett C 16V von Jens Weber, der im Schnitt nur etwas über eine Sekunde pro Race-Heat auf die vor ihm platzierten Pf 4a Fahrzeuge verliert. Auf Position vier läuft Tim Kleinsorg (BMW 325i) ein, Fünfter ist Michael Schumacher mit seinem VW Polo G60.
Was ist das bessere Konzept, Front-, Heck- oder Allradantrieb, was bringt am Iberg den besten Schub nach oben, Saug- oder Turbomotor? Das waren die Kernfragen in der Pf 3b. Mittlerweile liegen die Antworten vor. Die Erfolgsformel lautet Heckantrieb, in Kombi mit Saugmotor und Pilot René Frank. Mit seinem BMW Schnitzer M3 E30 DTM setzt er sich im Training und allen vier Rennläufen durch. Dies allerdings knapp, denn am Ende beträgt sein Siegervorsprung auf Lars Bröker (Mitsubishi Lancer Evo X) 0,897 Sekunden. Lars gewinnt den hinter René Frank laufenden Dreikampf der Allrad-Turboboliden sicher, wird Zweiter. Deutlich enger ist die Geschichte zwischen Pascal Ehrmann und Christian Fouquet, die beide auf einen Subaru Impreza WRX STI vertrauen. Bereits in den Übungsauffahrten beginnen sie, sich nach allen Regeln der Kunst zu beharken. Am Beginn sieht es nach einem Erfolg für Pascal Ehrmann aus, doch schlussendlich schafft Christian Foquet die Wende, er holt sich ganze 0,413 Sekunden vor Pascal Ehrmann Platz drei. Die Pf 3b-Fronttriebler laufen auf den Rängen fünf und sechs ein. Das sind im VW Scirocco R-Cup Günter Miethke und Sabine Göhrig mit ihrem nach Glasbach tadellos express reparierten Ford Focus ST.
Zwei Porsche 997 GT3 treten in der Pf 3a an. Die Piloten dazu sind Florian Heß und Albert Vogt. Florian Heß benötigt im Schnitt pro Auffahrt etwa gute zwei Sekunden weniger als Albert Vogt, gewinnt so mit 8,352 Sekunden Vorsprung.
In der zusammen gelegten Pf 2b und 2a treten zwei total unterschiedliche Fahrzeuge gegeneinander an. Das sind der Lamborghini Huracan Super Trofeo Evo 1.5 von Holger Hovemann und Michael Webers Audi 80 Quattro Turbo. Diesen Vergleich gewinnt der V10 motorisierte Lambo deutlich. Bleibt Holger am Samstag nach knapp über der 1-Minuten-Schallmauer, durchbricht er diese am Renntag zweimal, seine schnellste Marke des Wochenendes stellt er im zweiten Run mit 59,525 Sekunden auf, das entspricht samt stehendem Start einem Schnitt von 123,98 km/h.
Fehlt noch die Tourenwagenwertung der Division 1. Holger Hovemann gewinnt diese auf Gesamtplatz sieben. Ihm folgen unmittelbar Florian Heß, Hans Paulitsch und René Frank. Nach Division 2 Fahrer Joel Buckler geht die Tourenwagen-Show auf Seite eins der Liste „Rennergebnis Gesamt“ mit Lars Bröker, Andy Heindrichs, Bernd Ehrle, Ralph Paulick, Werner Weiss, Albert Vogt, Jens Weber, Christian Foquet, Marcel Hellberg und Pascal Ehrmann weiter. Das Division 1 Starterfeld des „28.Int. ADAC Ibergrennen“ setzt sich übrigens zu über 85 Prozent aus eingeschriebenen Teilnehmern des NSU-Bergpokals und KW Berg-Cups zusammen.
Der nächste Lauf der beiden Rennserien des Berg-Cup e.V. führt uns an die Grenze zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz zum „51. Homburger ADAC Bergrennen“. Der Termin dazu ist der 10. bis 12. Juli 2026. Anschließend geht es im 14.Tage-Rhythmus an den Hauenstein und nach Osnabrück. Anschließend gibt es drei Wochen Sommerferien, bevor Ende August (28.-30.) Oberhallau das letzte Drittel der 38. KW Berg-Cup Saison einläutet, in dem dann die endgültigen Entscheidungen fallen werden. Bitte besucht und folgt uns auf unserer weiteren Tournee so oft wie irgend möglich, liebe NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup Fans und Freunde.
Uli Kohl, 28.06.2026